Das Briefing auf einen Blick
Beschlossen: 2027 gibt es keinen 24-Stunden-Flohmarkt
Bürgerentscheid zum Fahrradparkhaus: Darüber wird Ende November abgestimmt
Brückenquartier: Neues Quartier & Umbau der Radverbindung
Bodensee Philharmonie: Entscheidung über Zukunft in Ausschuss verwiesen
Weitere Themen im Rat: Kleingärten, Frauennachttaxi und Wochenmarkt
So setzt sich der Konstanzer Gemeinderat seit der Wahl vom 9. Juni 2024 zusammen:
- Freie Grüne Liste & GRÜNE (FGL & GRÜNE): 10 Sitze
- Christlich-Demokratische Union (CDU): 8 Sitze
- Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD): 6 Sitze
- Freie Wähler Konstanz (FW): 6 Sitze
- Junges Forum Konstanz (JFK): 4 Sitze
- Freie Demokratische Partei (FDP): 3 Sitze
- Linke Liste Konstanz (LLK): 3 Sitze
Beschlossen: 2027 gibt es keinen 24-Stunden-Flohmarkt
Die Marketing & Tourismus Konstanz GmbH (MTK) wird den grenzüberschreitenden 24-Stunden-Flohmarkt nicht weiter veranstalten. Das hat der Gemeinderat nach ausführlicher Diskussion beschlossen und folgt damit der Empfehlung des MTK-Aufsichtsrats.
Die MTK begründet den Schritt mit gestiegenen Sicherheitsanforderungen, dem hohen organisatorischen Aufwand und einem Defizit von zuletzt rund 45.000 Euro. Wegen der Sicherheitsauflagen war der Flohmarkt bereits aus der Innenstadt in den Hafen und nach Klein Venedig verlegt worden. Die Bombendrohung während des diesjährigen Flohmarkts habe die Belastungen nochmals verdeutlicht. Diese Verantwortung und die finanziellen Risiken der bisherigen Veranstaltungsform seien aus Sicht des MTK-Aufsichtsrats jedoch nicht mehr tragbar. MTK-Geschäftsführer Eric Thiel beschrieb die Lage in der Sitzung knapp: „Wir sind finanziell am Limit.“
Dem steht die Bedeutung für das Stadtleben gegenüber. Für Christiane Kreitmeier (FGL & Grüne) ist der Flohmarkt „wie ein heimliches Stadtfest“. Sie hob hervor, dass Vereine und Ehrenamtliche die Veranstaltung mittragen und Menschen über die Grenze hinweg zusammenkommen. Ob ein veränderter Flohmarkt mit anderem Träger oder ein anderes Veranstaltungsformat folgt, ist offen und soll von der Verwaltung geprüft werden. Als Ideen stehen ein Stadt- oder Hafenfest im Raum. Klar ist: 2027 gibt es keinen 24-Stunden-Flohmarkt.
Bürgerentscheid zum Fahrradparkhaus: Darüber wird Ende November abgestimmt


Am 29. November entscheiden die Konstanzer Abstimmungsberechtigten in einem Bürgerentscheid über das geplante Fahrradparkhaus am Bahnhofplatz. Der Gemeinderat hat dafür folgende Frage beschlossen:
„Sind Sie dafür, dass die Stadt Konstanz den Bau und den Betrieb eines Fahrradparkhauses am Bahnhofplatz über die Stadtwerke Konstanz veranlasst und finanziert?“
Ja bedeutet, dass die Stadt das Projekt über die Stadtwerke und deren Tochtergesellschaft fortführen, bauen und betreiben lassen soll. Nein bedeutet den Abbruch des Projekts.
Damit der Entscheid bindend ist, muss die Mehrheit der gültigen Stimmen zugleich mindestens 20 Prozent aller Stimmberechtigten erreichen. Nach dem Stand vom September sind das 13.429 Stimmen. Wird dieses Quorum verfehlt, entscheidet der Gemeinderat. Ein gültiger Bürgerentscheid bindet für drei Jahre.
Abgestimmt wird am 29. November von 8 bis 18 Uhr, vorab ist Briefabstimmung möglich. Abstimmen dürfen Deutsche und EU-Bürger ab 16 Jahren, die die gesetzlichen Wohnsitzvoraussetzungen erfüllen – in der Regel seit mindestens drei Monaten in Konstanz wohnen – und nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen sind. Bei mehreren Wohnungen ist die Hauptwohnung maßgeblich.
Die Benachrichtigung soll etwa drei bis vier Wochen vorher per Post kommen. Weitere Hinweise zur Teilnahme und zur Briefabstimmung findest du in den FAQ der Stadt. Bei Fragen hilft das Wahlamt unter wahlamt@konstanz.de. Im Bürgersaal am Sankt-Stephans-Platz 17 können Briefabstimmungsunterlagen beantragt und die Stimme direkt abgegeben werden. Die Stadt plant die Öffnung des Bürgersaals voraussichtlich für Anfang bis Mitte Oktober, der genaue Termin steht noch nicht fest. Das vorläufige Ergebnis wird am Abend des Abstimmungstags veröffentlicht.
Der Informationsflyer zur Wahl wurde auch inhaltlich diskutiert. Mehrere Ratsmitglieder vermissten eine ausreichende Darstellung der Kosten, möglicher sinkender Belastungen sowie der Alternativen zum Fahrradparkhaus. Auch die Regeln für den „Wahlkampf“ standen zur Debatte. Andreas Hennemann (SPD) mahnte: „Ein Bürgerentscheid nimmt uns die Verantwortung nicht ab.“ Ein von der SPD angeregtes Fairnessabkommen zum gegenseitigen Umgang und zur öffentlichen Kommunikation wurde von FGL & Grünen, JFK und LLK unterstützt. Die CDU, FW und FDP hielten eine solche zusätzliche Vereinbarung für unnötig. Roger Tscheulin (CDU) erklärte, dass seine Fraktion ihre Auseinandersetzungen bereits fair führe und daher kein Abkommen brauche.
Neben dem Bahnhof sollen im Obergeschoss eines Neubaus rund 700 Fahrradstellplätze entstehen. Etwa zwei Drittel sollen kostenlos sein, weitere Plätze in einem zusätzlich gesicherten Bereich kostenpflichtig. Ziel ist eine Eröffnung 2031.
Die Stadt veranschlagt 8,7 Millionen Euro Projektkosten, einschließlich Grundstück, Planung, Bau und Risikozuschlag. Davon sind 0,8 Millionen Euro bereits für Planung ausgegeben worden, größtenteils durch Bundesmittel gedeckt. Weitere 4,3 Millionen Euro Förderung werden erwartet. Die Stadtwerke-Tochter Konstanz Mobil soll 3,6 Millionen Euro über einen Kredit finanzieren, für den die Stadt bürgen soll.
Für das erste Betriebsjahr prognostiziert die Stadt einen Fehlbetrag von rund 374.000 Euro, der anschließend sinken soll. Darin stecken neben dem laufenden Betrieb auch Instandhaltung, Zinsen und Abschreibungen. Die Zahl ist eine Prognose, keine feststehende jährliche Rechnung.
Brückenquartier: Neues Quartier & Umbau der Radverbindung
An der rechtsrheinischen Abfahrt der Europabrücke soll das Brückenquartier entstehen. Geplant ist eine Mischung aus Gewerbe und Dienstleistungen, Wohnungen, sozialen Einrichtungen und Freizeitangeboten. Hinzukommen sollen Gastronomie, eine preisgünstige Unterkunft und ein großes Fahrradgeschäft. Der Gemeinderat hat den Bebauungsplan dafür erneut beschlossen. Die Wiederholung war nötig, weil bei der Beratung im Juni nicht alle Unterlagen zur Abwägung der eingegangenen Stellungnahmen vorgelegen hatten.
Die westliche Fahrradspindel soll zugunsten einer zentralen Fußgängerachse durch das neue Quartier weichen. Als Ersatz ist eine neue Rampe vorgesehen, die breit genug für Radverkehr in beide Richtungen sein soll. Achim Schächtle (FDP) verlangte eine klare Reihenfolge für den Umbau: „Erst muss die Fahrradspur gebaut werden, dann kann man über den Abbruch der Spindel sprechen.“
Die Verwaltung will die Planung der Außenanlagen im November im Technischen und Umweltausschuss vorstellen. Die Skateanlage unter der Brücke soll erhalten bleiben. Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn erklärte auf Nachfrage von Stadtrat Samuel Hofer (FGL & Grüne), das Sozial- und Jugendamt begrüße auch einen weiteren Ausbau.
Bodensee Philharmonie: Entscheidung über Zukunft in Ausschuss verwiesen
Wie viel Geld soll die Stadt künftig für die Bodensee Philharmonie bereitstellen? Darüber entschied der Rat noch nicht, da das Thema auf Antrag von FGL & Grünen mit 25 Stimmen in die bereits beschlossene Sondersitzung des Kulturausschusses im Oktober verwiesen wurde. Worum geht es? Die Verwaltung schlägt vor, den städtischen Betriebskostenzuschuss bis 2030 schrittweise auf 3,25 Millionen Euro zu senken. Das wären bis zu 1,1 Millionen Euro weniger als bislang für 2030 eingeplant.
Ausgeglichen werden soll die Differenz durch Einsparungen, zusätzliche Einnahmen und weitere Finanzierungsbeiträge. Auch Personalumfang und Organisationsform sollen geprüft werden. Welche Folgen das für Beschäftigte, Konzerte und das künstlerische Angebot hätte, ist noch offen. Das Besondere an der Vorlage: Sie kam direkt von Oberbürgermeister Uli Burchard, mit der Begründung, die Bodensee Philharmonie so als kulturelle Einrichtung der Stadt Konstanz erhalten zu können.
Zwischen Schutz und zusätzlicher Belastung
Weitere Themen im Rat: Kleingärten, Nachttaxi für Frauen und Wochenmarkt
Einwohner:innenfragestunde: Warum sollen Gärten geräumt werden?
Vier Besitzer von Kleingartenanlagen im Bereich Herrengarten berichteten von Räumungsaufforderungen und widersprüchlichen Auskünften: Warum erhalten manche Gärten Bestandsschutz, andere nicht? Die Verwaltung verwies auf unterschiedliche rechtliche Voraussetzungen. Manche Flächen würden zudem als Boots- oder Autoabstellplätze genutzt. Für Kleingärten im Bereich Herrengarten suche die Verwaltung Ersatzgärten, sofern keine anderweitige Nutzung vorliege. Ob das auf die geschilderten Fälle zutrifft, blieb offen.
Frauennachttaxi: Geplanter Start am 1. November
Die Verwaltung strebt den 1. November als Start an. Noch zu klären sind die Zusammenarbeit mit Taxiunternehmen und fälschungssichere Gutscheine. Vorgesehen ist ein einjähriger Testbetrieb mit vergünstigten Nachtfahrten. Eine schriftliche Auskunft zum Sachstand soll folgen. Hintergründe zum Frauennachttaxi, findest du in diesem Briefing vom 29. Januar 2026.
Wochenmarkt am Gebhardsplatz: Parkende Autos sind im Weg
Khaled Badawi (SPD) lobte die neue Aufstellung des Markts, berichtete aber von Problemen durch parkende Autos. Samstags müssten wiederholt Fahrzeuge abgeschleppt werden. Dadurch entstünden Wartezeiten von bis zu zwei Stunden für die Marktbetreiber:innen. Diese wünschten sich deshalb eine bessere Beschilderung.
Die nächste Gemeinderatssitzung findet am 22. Oktober 2026 um 16 Uhr im Ratssaal statt.
Die Therapeutin: Folge 1 – Fürsorge geht auf die Knochen

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