Die große Se(e)hnsucht

Tausche Kleinstadtöde gegen Großstadtgeflüster: Ein neuer Job hat unsere Autorin vom Bodensee nach Berlin geführt. Obwohl sie den Vibe der Stadt mag, will sie ihrer Heimat am See doch nicht ganz den Rücken kehren. Frei nach dem Motto: Es gibt kein Entweder-oder!

Leute, die am See aufgewachsen sind, hatten in den vergangenen Jahren ein Ziel: Raus aus der Einöde, auf nach Berlin. Endlich cool werden und über Baden-Württemberg ablästern. Insbesondere über die, die die Heimat nicht verlassen wollen. 

Grundsätzlich war mir das immer zu „cool“. Ich bin die Art Hipster, die auf jeden Hype verzichtet. Ich schaue angesagte Serien erst dann, wenn sie nicht mehr angesagt sind. Ich empfinde mein iPhone-loses Dasein als adäquates Mittel, um gegen die Gesellschaft zu rebellieren. Andererseits, dachte ich, wäre es ganz gut, mal etwas anderes zu sehen, stickigere Luft zu atmen und auf linksversiffte Gleichgesinnte zu treffen, die weitaus mehr sind als der klassische Konstanzer BWL-Justus, 24 und Sohn von Beruf.

So richtig vor hatte ich es aber selbst dann nicht, als ich plötzlich einen Job in Berlin hatte. Im Gegenteil: Jede:r, der:die die aktuelle Wohnsituation in Berlin kennt, weiß, dass Anstrengung und hohes Engagement notwendig sind, um eine Bleibe zu finden. Also verzichtete ich auf beides. Und mit dieser Einstellung kam es dann, dass ich meine Wohnung in der Bahn fand, da die Person, die mich nach einer Auskunft fragte, auch zufällig eine Wohnung zu vermieten hatte. So wurden meine Pläne, meinen Umzug zu sabotieren, sabotiert. 

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