Partyspiele oder: Wo ist das Gras grüner?

Corona hat Partys entweder gekillt oder digitalisiert – jetzt wird nachgeholt. Und plötzlich rede ich wieder mit Menschen, mit denen ich mich nicht verabredet habe. Ein Blick auf deutsche Befindlichkeit auf beiden Seiten der Grenze. Achtung: Stereotype. Aber sehr lebendige.
Grafik: Alexander Wucherer

23.14 Uhr, eine Party in Konstanz. Gerade noch haben wir über den leckeren Käse gesprochen, jetzt geht es um „die unfähigen Politiker“. Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Das Thema habe nicht ich aufgebracht. „Wenn deutsche Politiker fachlich was drauf hätten, würde das nicht so ausarten – ich fühle mich entmündigt“, sagt mein Gegenüber und seine Stimme wird lauter. „Ruhig, Blonde“, denke ich mir. Generelle Politiker:innen-Schelte triggert in mir etwas. Das kenne ich seit Küchengesprächen im Studiwohnheim Sonnenbühl. In der Regel komme ich dann mit meinem bewusst naiven Glauben an die Demokratie. Interessiert niemanden, selbst wenn ich schreie. 

Also fahre ich seit einiger Zeit eine andere Strategie, eine durchaus ehrliche: Denn ich bin raus aus dem Deutschland-Motz-Spiel. Ich sage meinem so gut wie unbekannten Party-Kollegen: „Das habe ich kaum mitbekommen, weil ich in der Schweiz lebe. In der Schweiz motzt man lieber über die Schweiz.“ Was dann kommt, ist immer ähnlich. Ich höre, die Schweiz mache ja so vieles besser. Lob gibt’s für die direkte Demokratie, neu auch den Schweizer Umgang mit der Corona-Pandemie. 

Partygespräche auf der Schweizer Seite 

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