Die Grafik zeigt Höhlenmalereien.

Ende? Neu!

Jeder Schaffensprozess beginnt oder endet mit einer Idee. Dabei ist die Kunst des (Neu-)Beginnens essentiell für die Kunst – kann aber auch zur beängstigenden Hürde werden. Unser Autor Jeremias Heppeler hat sich Gedanken zum Anfangen und zu Anfängen gemacht.
Jeremias Heppeler arbeitet als intermedialer Künstler, Autor und…

Wenn wir Menschen darüber nachdenken, ab wann wir erstmals wirklich Menschen waren, dann offenbart sich eine Vielzahl an Theorien. Die einen sagen, es waren jene Tage, in denen es einer Gruppe von Frühmenschen gelang, einen der ihren, der sich das Becken gebrochen und damit ein unwiederbringliches Todesurteil der Natur unterzeichnet hatte, wieder gesund zu pflegen. Lange ging man davon aus, dass es die Beherrschung des Feuers war, die den Menschen aus der Reihe der Tiere hob – ein Narrativ, das besonders eindrücklich in Rudyard Kiplings „Das Dschungelbuch“ hinterlegt ist. Anderen Theoriesträngen zufolge war es die Fähigkeit zum komplexen Waffen- und Werkzeugbau, die uns final zu Menschen machte. 

Aber es gibt auch die prägnante Theorie, dass es die Kunst war, die uns Menschen entscheidend und final formte. Die den Unterschied machte. Die Fähigkeit, eine zweite Realität in Form von Geschichten zu erschaffen. Zu erzählen. Zu lügen. Der Antrieb, Erlebtes und Vorgestelltes in Zeichnungen und Figuren festzuhalten. Höhlenmalereien. Visuelle Tagebücher. Kunst, das ist klar, ist für das Überleben nicht notwendig. Sie ist eine Art Luxusgut. Tiere schaffen keine Kunst. Sie findet in ihrem Bewusstsein keinen Platz. Zu stark wirken die Instinkte, die vor allem eine Aufgabe haben: überleben. So effektiv wie möglich. Dem Menschen, dessen Intelligenz in evolutionärer Höchstgeschwindigkeit aus dem Ruder lief, ermöglichte eine eigentümliche Form von Gemeinschaft und Gesellschaft aber, sich um solchen Luxus zu kümmern. Die Kultur wurde zu seiner Natur.

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